Gemeinsam gegen Armut

29.01.10 / 12:32

Im von der EU ausgerufenen "Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung" startet die Caritas die europaweite Kampagne "Zero Poverty" (http://www.zeropoverty.at). Die 48 Caritas-Organisationen rufen dazu auf, die Bekämpfung der Armut selbst in die Hand zu nehmen und den Alltag aktiv zu gestalten. In der EU leben 84 Mio. Menschen (17 Prozent der Bevölkerung) unter der Armutsgrenze.

"Wenn man genauer schaut, gibt es in Europa eine ganze Menge Menschen, die ums Überleben zu kämpfen haben", sagte Caritas-Präsident Franz Küberl bei der Präsentation der Kampagne. Die Problematik drehe sich nicht nur um Materielles, sondern auch um die Verknüpfung von Armut mit Krankheit und Einsamkeit. Besonders von Armut bedroht seien Arbeitslose, Alte, Kinder, Migranten und Roma.

Eine Antwort darauf wäre für Küberl die Einführung einer zur Armutsbekämpfung zweckgebundenen Finanztransaktionssteuer. Weiters forderte er staatliche Zahlungen für Kinder ungeachtet des Status der Eltern sowie für Minderheiten und Migranten eine Politik, die die Menschen nicht zu Almosenempfängern mache, sondern sie in Lösungen einbinde.
In der aktuellen Transferkontodebatte sprach sich der Caritas-Präsident dafür aus, nicht nur Sozialleistungen, sondern auch Transfers zu Wirtschaftsunternehmen oder politischen Parteien offenzulegen. Außerdem müsse man eine Form finden, "dass das ohne Häme passiert".

Der neue Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter verwies darauf, dass sich in Österreich 492.000 Menschen in manifester Armut befänden, rund 100.000 mehr als noch in Zeiten der Hochkonjunktur. "Arme Menschen sind in einer reichen Gesellschaft wie Österreich in besonderer Form beschämt und verschämt", sagte er. Er verlangte die rasche Einführung der Mindestsicherung, eine einzige Anlaufstelle für Sozialleistungen sowie Investitionen zur Armutsprävention, etwa im Bildungsbereich. Bei der Kampagne, die sich als Vision "Null Armut" zum Ziel gesetzt hat, kann auch europaweite Petition gegen Kinderarmut für Sozial- und Gesundheitsstandards sowie für garantierte Arbeitsplätze unterstützt werden, die den zuständigen EU-Institutionen vorgelegt werden soll.