Dürrekatastrophe "Die Menschen müssen zu Kräften kommen"

29.07.11 / 08:08

"Nahrungsmittel, Trinkwasser!" Ob Viehhüter in der noch so entlegenen Hütte oder Lehrer, ob Lokalpolitiker oder Bischof, im Dürregebiet von Nordkenia erhält man derzeit immer die gleiche Antwort auf die Frage, was derzeit am Dringendsten benötigt werde. So auch von dem für die lokale Caritas-Partnerorganisation PACIDA tätigen Gesundheitsexperten Baraiko Giro. "Das Wichtigste ist, dass die Menschen wieder zu Kräften kommen."

Jetzt online spenden!

Sämtliche Krankheiten, die derzeit im Ansteigen begriffen sind, stehen mit der Dürre in Zusammenhang. Erst das Ansteigen der Durchfallerkrankungen, wie z.B. Typhus, weil sauberes Trinkwasser fehlte. In den letzten Resten der Tümpel - als es sie noch gab - sammelte sich so zu ziemlich alles, was dem Körper nicht gut tut. Aber immer noch besser dieses Wasser als gar keines. Mittlerweile sind es sämtliche Symptome der Unterernährung, die besonders häufig zu beobachten sind. Fiebrige Augen, geschwollene Knöchel. Die Kombination von durch Unterernährung geschwächtem Körper und unzureichendem Trinkwasser ist verhängnisvoll. Die jüngsten Daten für die Region Marsabit in Nord-Kenia wurden kürzlich präsentiert:  27 Prozent aller Menschen seien dort schon deutlich unternährt. Nur: die Erhebung erfolgte bereits Anfang Juni. In den vergangenen zwei Monaten hat sich die Lage noch verschlimmert.

Rasch und wirksam

Seit einigen Wochen versorgt die Caritas  in Nordkenia bereits Kinder, stillende Mütter, schwangere Frauen und ältere Menschen mit Spezialnahrung. In den nächsten Wochen verteilt die Caritas Österreich gemeinsam mit der Partnerorganisation PACIDA auch Lebensmittelgutscheine in der Region. "Die Händler kennen wir schon seit Jahren, wir rechnen direkt mit ihnen zu vorher vereinbarten Preisen ab. Das ist ein relativ einfaches System, das je nach Bedarf ausgedehnt oder zurückgefahren werden kann" erklärt Wario Adhe Guyo, der Chef  von PACIDA, wie die Hilfe konkret funktioniert. Für die unterstützten Familien hat dies den Vorteil, dass  sie selbst entscheiden können, in welche Nahrungsmittel - Mehl,  Zucker, Bohnen, Öl usw. -  sie ihre Lebensmittelgutscheine umtauschen möchten. Auch die Vorbereitungen für die Verteilung von Trinkwasser für 11.500 Menschen via Wassertanks laufen auf Hochtouren: Tanklastwägen sollen bald vollgefüllte Wassertanks aus großer Entfernung zu den am schwersten betroffenen Gebieten bringen.

"Restocking" heißt der Fachbegriff für eine weitere Säule der Unterstützung. Ein Großteil der Ziegen, Schafe, Rinder und Kamele der Viehhirten in der Region Marsabit ist bereits verendet. Schwach, abgemagert und ausgetrocknet sind die noch lebenden Tiere. Wer derzeit Tiere verkaufen möchte, um zu Bargeld zu kommen, kriegt fast nichts mehr dafür. Die Caritas kauft nun die Tiere zu einem weit über dem Marktwert liegenden Preis  auf, damit sich die Menschen ihr Essen leisten können. Die Tiere werden geschlachtet, das Fleisch an die notleidende Bevölkerung verteilt. Später, wenn hoffentlich im November die Dürre beendet ist und die Weiden wieder wachsen, werden die Viehnomaden neue, gut genährte Tiere von der Caritas erhalten.

Alles zusammen ein sehr durchdachter Nothilfeplan, den die KatastrophenhilfeexpertInnen hier ausgearbeitet haben. Ein aufeinander abgestimmtes Bündel von Maßnahmen im Kampf gegen die Folgen der Dürre. Damit werden über 30 000 Menschen mit Nahrung bzw. Wasser versorgt werden. Man könnte aber noch viel mehr Menschen erreichen. Die Frage, wo die theoretische Obergrenze wäre, beantwortet Wario Adhe Guyo mit der Feststellung: "Der einzig limitierende Faktor ist das Budget."

Die Caritas bittet um Spenden für die Opfer der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika:
Caritas Burgenland Spendenkonto: RLB 1.000.652, BLZ 33.000, Kennwort: Augustsammlung Hungerhilfe


Oder ganz einfach ein SMS mit dem gewünschten Betrag und dem Kennwort "HUNGER" senden an: 0664 660 3333