Pflege: Mut zum Systemwechsel!

19.09.11 / 11:10

Küberl und Landau fordern Gesamtkonzept, solidarische Finanzierung und bessere Unterstützung für pflegende Angehörige.

"Das im Nationalrat beschlossene Pflegefondsgesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt muss der gewonnene Spielraum genutzt werden, um das Pflegesystem grundlegend auf neue Beine zu stellen", so Caritaspräsident Franz Küberl und Caritasdirektor Michael Landau im Hinblick auf die in einer Woche beginnenden Verhandlungen zur Pflegestrukturreform. Derzeit sei das Betreuungs- und Pflegesystem in vieler Hinsicht unsolidarisch, kritisieren die Caritasvertreter. "Der Kinderregress ist hier nur die Spitze des Eisbergs", so Küberl. Kosten, Sachleistungen oder finanzielle Unterstützung für die Betroffenen variieren von Bundesland zu Bundesland. Während die einen ihr Erspartes an die nächste Generation weitergeben können, würden jene, die stationäre Pflege benötigen, zur Kassa gebeten. "Eine Solidarität der schönen Worte ist da nicht ausreichend. Wir brauchen eine Solidarität der Tat", so der Caritaspräsident.

Echter Pflegefonds ab 2015

"Pflegebedürftigkeit ist ein Lebensrisiko, sie kann jeden treffen. bzw. die jeden treffen kann. Daher fordern wir als Caritas einen Systemwechsel in der Pflege, weg von der Sozialhilfelogik und hin zu einer solidarischen Finanzierung", unterstreicht Landau. "Statt kurzfristiger Maßnahmen auf dem Rücken Angehöriger braucht es eine langfristige und nachhaltige Absicherung menschenwürdiger Pflege, nämlich die Einführung eines echten Pflegefonds ab 2015 wie dieser auch im Regierungsprogramm vorgesehen ist." Neben den Geldern, die bisher für die Pflege und Betreuung zu Verfügung stehen, müssen zusätzliche Mittel eine nachhaltige Finanzierung sichern: einerseits aus Einsparungen, etwa durch eine Verwaltungsreform, andererseits aus zusätzlichen Einnahmen.  "Vermögensbezogene Steuern wie eine reformierte Erbschaftssteuer dürfen kein Tabuthema sein", so Landau.

Aus Sicht der Caritas muss ein echter Pflegefonds endlich österreichweit einheitliche Qualitäts-, Versorgungs-, und Finanzierungsstandards und damit gleiche Bedingungen für alle Betroffenen schaffen. Das betrifft eine flächendeckend verfügbare Leistungspalette, einheitliche und sozial gestaffelte Selbstbehalte sowie einen Rechtsanspruch auf Sachleistungen, und auch eine verbesserte Abstimmung zwischen dem Gesundheits- und Sozialsystem.

Verschiedene Unterstützungsangebote schaffen

Handlungsbedarf besteht auch bei der Pflegegeldeinstufung. Hier fordert die Caritas ein praxisgerechtes Einstufungsverfahren mit bundesweit einheitlichen Standards und eine einheitliche Begutachtungspraxis, vor allem für Menschen mit Demenz. Weiters müssen entsprechende Entlastungs- und Unterstützungsangebote für die größten Leistungsträger in der Pflege, die Angehörigen, geschaffen werden: wohnortnahe und leistbare stunden- oder tageweise Entlastungsdienste, spezialisierte Tagesstätten, Kurzzeitpflege oder Urlaub von der Pflege, psychosoziale Beratung oder Pflegeberatung vor Ort.

Im September macht die Caritas in ganz Österreich mit ihrer Kampagne auf Pflegethemen aufmerksam. Die breite Angebotspalette der Caritas im Bereich der Betreuung und Pflege alter Menschen reicht von Beratung über Besuchsdienste, Hauskrankenpflege, Unterstützung pflegender Angehöriger, betreubares Wohnen bis hin zu Senioren - und Pflegehäusern und Hospizbegleitung. Insgesamt sind bei der Caritas in diesem Bereich ¬österreichweit rund 5.200 MitarbeiterInnen tätig, über 2.000 davon in der Erzdiözese Wien.