Caritas begrüßt Pflegefonds-Novelle: "Doch weitere Reformen nötig" -

01.06.13 / 09:21

Die Aufnahme der mobilen Hospiz- und Palliativteams in den Pflegefonds ist ein klares Bekenntnis, diese Bereiche in eine geordnete Finanzierungsstruktur zu bringen. "Das ist ausdrücklich zu begrüßen und ich hoffe sehr, dass der Pflegefonds nun tatsächlich zu einem gemeinsamen Steuerungsinstrument für den Langzeitpflegebereich sowie zu einem Hospiz- und Palliativcare in Österreich weiterentwickelt wird. Wir müssen dafür die Laufzeit des Fonds bis 2016 intensiv nutzen", kommentiert Caritas Präsident Franz Küberl den heutigen Beschluss der Bundesregierung. Auch Wiens Caritasdirektor Michael Landau zeigt sich in einer ersten Reaktion erfreut: "Wir kommen damit dem seit Jahren verfolgten Ziel, einen Schritt näher: Die Hospiz- und Palliativversorgung muss für alle Menschen, die sie benötigen, erreichbar, zugänglich und leistbar sein. Gleichzeitig ist es wichtig, die Weichen für nach 2016 zu stellen. Der Pflegefonds muss auch über 2016 hinaus ein dauerhaftes Finanzierungs- und Steuerungsinstrument sein."
 
Heute, Dienstag, wurde im Ministerrat die Novelle zum Pflegefondgesetz beschlossen.
"Diese Gesetzesreparatur war dringend nötig", hält Landau fest. "Immerhin gibt es allein in Wien und Umgebung knapp 800 Kinder, die an lebensbedrohenden und unheilbaren Krankheiten leiden - 120 von ihnen sterben pro Jahr." Das mobile Kinderhospiz MOMO von Caritas, Caritas Socialis und der mobilen Kinderkrankenpflege MOKI, ermöglicht es diesen Kindern, ihren letzten Lebensweg zu Hause bei ihrer Familie zu verbringen. "Doch Projekte wie MOMO, aber auch das Mobile Caritas Hospiz, werden bislang allein oder zu einem großen Teil mit Spendengeldern finanziert. Das könnte und muss sich nun ändern."
 
Doch Küberl und Landau orten weiter Handlungsbedarf. Vor allem der Umstand, dass der stationäre und teilstationäre Bereich von der Novelle nicht explizit erfasst werden, stößt auf Unverständnis: "Zwar ist mit der Novelle die Tür einen Fuß breit offen für eine gute Regelung, doch die nächste Bundesregierung muss die Finanzierung des stationären Hospizangebots regeln und absichern." Derzeit gibt es in Österreich lediglich drei echte Tageshospize - eines in Salzburg sowie in Graz und eines der Caritas in Wien. Doch diese wichtigen Einrichtungen sind bis heute nicht finanziert. "Bislang scheiterte es am Geld, dass Menschen die Betreuung und Pflege erhalten, die sie auch brauchen. Es geht um schwer kranke, oft auch sehr junge Menschen, die nicht mehr zu Hause leben können. Sie sind auf eine optimale palliative und hospizliche Betreuung angewiesen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Wir appellieren daher dringend an die Sozial- und Gesundheitspolitik: Der Ausbau und die Finanzierung von Hospizen bzw. Hospizbetten müssen gesichert werden."

Als großes Manko wertet Landau auch die Tatsache, dass im Pflege-  und Betreuungsbereich noch nicht die gleichen Bedingungen für die Menschen in allen Bundesländern erreicht wurden. "Es ist keine Lösung, dass die Menschen je nach Bundesland unterschiedlich hohe Selbstbehalte für ein und dieselbe Leistung zahlen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesländer sich ihrer Verantwortung gegenüber den pflegebedürftigen Menschen in ganz Österreich bewusst sind und jetzt Nägel mit Köpfen machen", sagt Landau.
 
Mit dem heutigen Beschluss im Ministerrat erhalten die Bundesländer auch die Möglichkeit, innovative Projekte zu finanzieren und mehrstündige und leistbare Betreuungsangebote zu entwickeln. Küberl verweist in diesem Zusammenhang auch auf den großen Bedarf nach Halbtagesdiensten, vor allem, um pflegende Angehörige wirksam zu entlasten: "Jetzt sind die Bundesländer gefordert, die seit vielen Jahren bestehende Betreuungslücke zwischen der 24 Stunden Betreuung und den mobilen Diensten endlich zu schließen. Die Zeit ist reif. Wer den Grundsatz, so viel mobil wie möglich und so viel stationär wie unbedingt nötig, mitträgt, muss hier rasch Angebote schaffen!"
 
 
Rückfragehinweis:
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Caritas Österreich, Albrechtskreithgasse 19 - 21, A-1160 Wien
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Martin Gantner
Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien
Tel.: 01/87812-221 bzw. 0664/88 952 760
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