Für eine Zukunft ohne Hunger

24.07.13 / 12:45

Heuer jährt sich bereits zum 40. Mal die Augustsammlung der Caritas gegen den Hunger in der Welt. Aus diesem Anlass läuteten die Glocken des Eisenstädter Doms am 24. Juli um 12.00 Uhr sieben Minuten lang.

Die burgenländischen Spenden kommen vor allem zwei Caritas Hilfsprojekten in der DR Kongo zugute: in Malweka werden jährlich über 600 Babys und Kleinkinder vor dem Hungertod bewahrt und in Katanga sichern Getreidebanken die Zukunft von hunderten Familien.

875 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger. „Armut und Hunger: das ist ein unglückseliges Duo!“ meint Caritas Direktorin Mag. Edith Pinter. „Aber es ist kein Naturgesetz. Wir können etwas dagegen tun. Und mit unseren Hilfsprojekten beweisen wir tagtäglich: Hilfe wirkt!“

Das zeigt auch das Beispiel von Wembo. Sein Vater starb, als er zwei Jahre alt war. Daraufhin setzte die Schwiegermutter Wembos  Mutter mit ihren sechs Kindern kurzerhand auf die Straße. Eine Cousine nahm die Witwe mit ihren Kindern zwar auf, doch hatte diese gerade genug für ihre eigene Familie zu essen. So litt vor allem der kleine Wembo als Jüngster ständig an Hunger. Er war bereits stark unterernährt, als eine mobile Krankenschwester des burgenländischen Caritas Hilfsprojekts in Malweka / DR Kongo auf ihn aufmerksam wurde.

Jedes achte Kind stirbt...

Ein Land, reich an Bodenschätzen und fruchtbarem Ackerland, kann seine eigenen Kinder nicht ernähren.
Der jahrzehntelange Bürgerkrieg hat die DR Kongo in den Abgrund gestürzt. Das Land steht weltweit in seiner politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung an letzter Stelle. Jedes achte Kind stirbt in den ersten fünf Lebensjahren an Unterernährung und mangelnder medizinischer Versorgung. Jene, die überleben, leiden an den Spätfolgen. Der Hunger hat Narben hinterlassen, in den Seelen, in den Köpfen und in den Körpern.

600 Babys behandelt

Die Caritas Burgenland arbeitet eng zusammen mit dem Gesundheitszentrum in Malweka. Hier wird seit rund fünf Jahren eine eigene Station betrieben, um unterernährte Babys und Kleinkinder wieder aufzupäppeln.

Auch Wembo fand Aufnahme in der Caritas Station und wurde alle vier Stunden mit einer Spezialnahrung gefüttert. Nach 14 Tagen hatte er sich so weit erholt, dass nur mehr eine ambulante Nachbehandlung notwendig war. Mit Hilfe und unter Anleitung der Schwestern legte Wembos Mutter einen kleinen Garten mit Mais, Maniok, Tomaten und Avocados an, um sich und ihre Kinder selbst zu versorgen. Sie hat damit den ersten kleinen Schritt in eine unabhängige Zukunft  für sich und ihre Kinder geschafft!

„Wir haben den Hunger satt“,

macht die Caritas Direktorin angesichts von 195 Millionen hungernden Kindern (unter fünf Jahren) klar. „Jeder einzelne kann seinen Beitrag leisten und einiges bewirken: nicht nur mit einer Spende. Auch mit einem nachhaltigen Lebensstil: „Es kann sogar Spaß machen, auf sein Auto zu verzichten, Urlaub im eigenen Land zu machen, das Schnitzel von seinem Teller zu verbannen und mit frischem, einheimischen Gemüse zu ersetzen“, wünscht sich die Caritas Direktorin.

Hunger – von Menschen gemacht

„Wir sind – ganz realistisch - in der Lage, absolute Armut und Hunger zu beseitigen“, erklärt Mag. Pinter. Wichtig sei nicht nur die Soforthilfe um Menschen vor dem Schlimmsten zu bewahren, sondern auch Fehlentwicklungen entgegenzutreten, wie zum Beispiel den hohen Getreidepreisen, die seit 2006 enorm angestiegen sind. „Schuld daran sind neben den Ernteausfällen der steigende Anbau von Agrotreibstoffen, hohe Erdölpreise und exzessive Finanzspekulationen auf Nahrungsmittel.“  Weitere Ursachen ortet man bei der Caritas in so manchen korrupten Regierungen von Entwicklungsländern, die Agrarflächen zu Spottpreisen an Konzerne verkaufen und mit Grund und Boden spekulieren. Gleichzeitig werden die lokalen Kleinbauern ihrer traditionellen Nutzungsrechte und somit ihrer Existenzgrundlage beraubt.

So unterschiedlich wie die Ursachen für den Hunger, so vielfältig sind auch die Maßnahmen, mit denen die Caritas dem Leid zu Leibe rückt:  In der Katastrophenhilfe wird so schnell wie möglich Soforthilfe in Form von Lebensmitteln geleistet um die Menschen vor dem Schlimmsten zu bewahren. Andere Projekte setzen auf den langfristigen Aspekt der Hungerhilfe. Zum Beispiel in Katanga/Kongo, wo vor mehr als fünf Jahren ein landwirtschaftliches Entwicklungsprojekt aufgebaut wurde.

Hilfe für Kleinbauern in der DR Kongo

Paradoxerweise ist die Not auf dem Land besonders groß. Denn um Schulden zu bezahlen, müssen Bauern die Ernte schnell und daher zu lächerlich niedrigen Preisen verkaufen. Die Händler lagern das Korn so lange in privaten Speichern bis der Markt wieder zu wenig Getreide bietet und die Kleinbauern ihr eigenes Getreide dann um teures Geld zurückkaufen müssen.

Um zu helfen hat die Caritas Burgenland ein Maisprojekt gestartet.  Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, setzt man mit dem Projekt auf mehreren Ebenen an: Errichtung von Getreidebanken, Ausweitung der Anbauflächen um ein Fünffaches, Erhöhung der Ernte um ein Vierfaches und Ausstattung der Bauern mit Know How und Gerätschaft um auch in den Folgejahren für Nahrungssicherheit zu sorgen.

Die Kleinbauern haben Saatgut, Macheten und Hacken erhalten und wurden auch schon eingeschult. In Getreidebanken wird das Saatgut nun fachgerecht gelagert und für die nächste Aussaat zurückgehalten. Die Kleinbauern können sich so wieder ihre Unabhängigkeit von global agierenden Saatkonzernen erarbeiten.

Ein wichtiger Schritt für die Menschen in Katanga. Das Maisprojekt sichert die Zukunft vieler Familien, gibt ihnen ein Einkommen und die Möglichkeit auf eigenen Beinen zu stehen.

Helfen auch Sie mit, den Hunger zu bekämpfen! Saatgut und Werkzeug für 25 Euro retten ein Menschenleben.

Wall of Hope – schenken Sie ein Lächeln

„In den letzten Wochen haben wir viele Menschen fotografiert, die gerne helfen, spenden und an eine Zukunft ohne Hunger glauben. Menschen, die ein Zeichen setzten und aus dem

Caritas&Du ein Caritas&Ich

machen“, erklärt Edith Pinter die begleitende Aktion zur Caritas Hungerkampagne. Die Fotos werden auf einer „Wall of Hope“ gezeigt. Viel Prominenz unterstützt bereits den Aufruf: Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics, LH Hans Niessl, LHStv. Franz Steindl, Dagmar Schellenberger, Wolfgang Werner, Laubner Sepp, Landesrat Peter Rezar, Landesrat Andreas Liegenfeld, Agnes Ottrubay, Michael Gerbavsits, Alois Ecker, Julius Marhold, Andrea Fraunschiel, Gabi Schwarz, Sabine Lentsch, Elisabeth Pauer, Eva Hillinger, Andreas Herbst, Christian Schmall und viele mehr.

Diese Wand der Hoffnung steht einerseits vor der Caritas Zentrale in Eisenstadt, ist aber auch auf www.wall-of-hope.at zu finden. F1000036„Machen auch Sie mit und setzen Sie ein Zeichen der Solidarität mit hungernden Mitmenschen und schenken Sie ein Lächeln“, appelliert die Caritas Direktorin an die Burgenländer.

Denn ein Lächeln ist schon ab 15 Euro zu haben:

Für 15 Euro kann ein Baby einen Monat lang spezielle Aufbaunahrung bekommen.

Für 25 Euro bekommt eine Familie Starthilfe in Form von Saatgut und Werkzeug.



Kirchensammlung Hungerkampagne

Die katholischen Pfarren der Diözese Eisenstadt werden am 18. und 25. August die Caritas Sammlung gegen den Hunger durchführen.

Weitere Spendenmöglichkeiten:

Erlagscheine in allen Erste Banken, Raiffeisenbanken und Postämtern. Kennwort: Hunger


Online-Spenden

www.wall-of-hope.at

 

Danke!

2012 haben die Burgenländerinnen und Burgenländer

EUR 144.880.-

gespendet. Danke an die vielen Spenderinnen und Spender!

Rückfragehinweis:

Dr. Uli Kempf

Leitung Kommunikation
PR / Spendenmarketing

Caritas Burgenland
St. Rochus Str. 15, 7000 Eisenstadt

T 02682/73 600 311, M 0676/83 730 311
F 02682/73 600 306, E u.kempf@caritas-burgenland.at

 
Alle zwölf Sekunden stirbt ein Kind

Hunger in Zahlen


Weltweit sind 925 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Damit leidet jeder siebte Mensch der 6,9 Milliarden zählenden Gesamtbevölkerung an Hunger. 578 Millionen jener Menschen, die nicht genug zu essen haben, leben in Asien, 239 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara, 53 Millionen in Lateinamerika, 37 Millionen im Nahen Osten und Nordafrika sowie 19 Millionen in den übrigen Regionen der Welt. (Quelle: FAO, State of Food Insecurity in the World 2010)

Täglich sterben 7.000 Kinder an den Folgen von Unterernährung. Das bedeutet, dass alle 12 Sekunden ein Kind an Hunger stirbt. Unterernährung ist die Ursache von über einem Drittel aller weltweiten Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren. (Quellen: UNICEF/WHO/World Bank; Child Mortality Report 2011)

Zwei Drittel der Menschen, die an Hunger leiden, leben in nur sieben Ländern. Konkret sind das Bangladesch, China, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan. Die Hälfte der 195 Millionen Kinder unter 5 Jahren, die akut unterernährt sind, lebt in Indien, China, Nigeria und Pakistan. (Quellen: FAO, State of Food Insecurity in the World 2010, UNICEF Tracking Progress on Child an Maternal Nutrition, 2009)

Mindestens 70 Prozent der ärmsten und hungernden Menschen leben in ländlichen Gebieten. Den Betroffenen fehlt es an den notwendigen Existenzgrundlagen. Das heißt beispielsweise, dass der Ertrag des eigenen Feldes nicht ausreicht, um die Familie zu ernähren, und es kein ausreichendes Einkommen gibt, um Unterkunft, Kleidung, Medikamente oder Schulgebühren zu zahlen. (IFAD: Rural Poverty Report 2011).

884 Millionen Menschen weltweit haben kein sauberes Trinkwasser. Das bedeutet, jeder zehnte Mensch verwendet schmutziges Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen. 80 Prozent der Betroffenen leben in ländlichen Gebieten. (Quelle: UNDP, MDG Report 2011)

Seit 1990 konnte der weltweite Hunger in den sogenannten Entwicklungsländern nur um ein Fünftel reduziert werden. Damit bleiben bis 2015 nur noch knappe vier Jahre, um das UN-Millenniumsentwicklungsziel 1 (Halbierung des weltweiten Hungers) zu erreichen. In Afrika südlich der Sahara ist die Erreichung des Ziels bei gleichbleibender Entwicklung nicht mehr möglich. (UNDP, MDG Report 2011)

 

Definitionen

Ausreichende Nahrung ist ein Menschenrecht

 

Recht auf Nahrung: Jeder Mensch hat das „Recht auf einen angemessenen Lebensstandard für sich und seine Familie einschließlich ausreichender Ernährung“, jede und jeder hat das „Recht, vor Hunger geschützt zu sein.“  Konkret ist das so in dem von der Generalversammlung der Vereinten Nationen einstimmig verabschiedeten multilateralen völkerrechtlichen Vertrag, dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte 1966/1976, festgeschrieben. Das Recht auf Nahrung ist somit ein Menschenrecht, das für alle Menschen uneingeschränkt gilt.

 

Hunger/Unterernährung
liegt vor, wenn die Kalorienzufuhr nicht ausreicht,  um eine minimale Energieversorgung des Körpers zu sichern. Diese hängt von verschiedenen Kriterien wie Alter, Geschlecht, Körpergröße, körperlichem Einsatz und dem Klima ab. Laut UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO benötigt ein Mensch im Durchschnitt 1.800 Kilokalorien pro Tag. Wird dieser Wert unterschritten, dann reicht die Nahrungszufuhr nicht aus, um das Körpergewicht zu halten und leichte Arbeit zu verrichten. (Quelle: FAO, WFP)

 

Ernährungssicherheit ist laut FAO dann gegeben, wenn alle Menschen jederzeit physischen, sozialen und wirtschaftlichen Zugang zu ausreichenden, sicheren und nährstoffreichen Nahrungsmitteln haben, um ihre Grundbedürfnisse und Präferenzen für ein aktives und gesundes Leben zu befriedigen. (Quelle: FAO)

 
Mangelernährung  bedeutet, dass die Zusammensetzung der Nahrung unzureichend ist, also Vitamine, Mineralstoffe, Proteine und Energieträger fehlen. Mangelernährung kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. (Quelle: WFP)

 

Untergewicht: Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist untergewichtig, wer einen Body-Mass-Index von unter 18,5 hat. Dieser wird unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht aus dem Verhältnis des Gewichts zum Quadrat der Körpergröße (Gewicht/Körpergröße2) errechnet. (Quelle: WHO)