Wir Kinder von Wetschehaus: Sozialwaisen brauchen unsere Hilfe

25.02.15 / 15:41

Drei junge Mädchen vor einem roten Hintergrund mit Kucheltier in der Hand.
Personen stehen vor rot-weißen Aufstellern mit Kaffeetasse in der Hand und Köstum.

Vom Einmaleins hat sie noch keine Ahnung, aber schimpfen kann der kleine Spatz wie eine ganz Große. Es ist die Sprache der Straße, die Andreea gelernt hat. "Gemeinsam mit der Mutter und ihren zwei Schwestern sind sie vor dem prügelnden Vater nach Temeswar, in die Stadt, geflohen. Da war aber keiner, der sie aufgenommen hätte. Sie wussten nicht wohin und landeten zum Schlafen unter der Brücke," schildert Caritas Direktorin, Mag. Edith Pinter, das Schicksal der Kinder. "In der Hoffnung auf Essen lungerten sie tagsüber auf den Parkplätzen der Einkaufszentren herum. Schlussendlich griff sie das Jugendamt auf."

Kein Kinderparadies
40 Prozent aller Rumänen sind von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Arbeitslosigkeit, Alkohol und Gewalt führen dazu, dass Familien zerbrechen. Kinder werden ausgesetzt oder laufen davon. Viele landen auf der Straße und ihr Schicksal ist ungewiss. Ihr Alltag ist geprägt vom Gesetz des Stärkeren, von Gewalt und sexuellem Missbrauch und von der täglichen Suche nach einem sicheren Schlafplatz. Sie betteln um zu überleben und schnüffeln den Rausch aus der Tube um zu vergessen. "Ihr Ziel ist es, den nächsten Tag zu überleben, denn ohne Bildung und ohne Arbeit scheint eine bessere Zukunft für sie nicht möglich", bringt die Caritas Direktorin das Problem dieser Kinder auf den Punkt.

Ein Armutszeugnis
Der Mindestlohn beträgt 236 Euro monatlich. Nur 20 Prozent der Bevölkerung verdient mehr als 350 Euro monatlich - und das bei Preisen für Alltagsgüter, die nur wenig unter dem österreichischen Niveau liegen. Über 30 Prozent der Kinder leben in Armut. Jedes dritte Kind muss hungern, weil kein Geld für Lebensmittel da ist. 37 Prozent können nicht regelmäßig in die Schule gehen.

Wer kann, der geht
Mehr als drei Millionen Rumänen sind ausgewandert. Die meisten davon sind junge Erwachsene, viele davon Eltern. Verwandte oder Nachbarn kümmern sich dann mit mehr oder weniger Engagement um diese verlassenen Kinder. Diese elternlose Generation neigt zu Depressionen und Alkoholmissbrauch, und gerät nicht selten mit dem Gesetz in Konflikt.
"Wer hierherkommt, spürt das unmenschliche Wohlstandsgefälle, das innerhalb Europas nach wie vor existiert. Man sieht die bedrückende Armut, aber auch die Chance auf Verbesserung, wenn man hilft," betont Edith Pinter ihren Glauben an eine positive Entwicklung.
Hilfe für drei Straßenkinder
Seit Oktober sind Andreea, Cosmina und Alina nun "Kinder von Wetschehaus".  Frau F. war keine schlechte Mutter. Sie wollte ihre Kinder vor den Schlägen des Vaters beschützen, aber ohne Ausbildung, ohne Job, ohne Zukunft: Wie sollte sie da für ihre Kinder sorgen? Ihre Situation war aussichtslos und mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihre drei Mädchen stimmte sie der Unterbringung im Caritas Waisenhaus zu.

Burgenländische Hilfe seit über 20 Jahren
Das Caritas Waisenhaus wird seit dem Beginn im Jahr 1993 zu 100 Prozent durch burgenländische Spender finanziert. "Die ungebrochene Hilfsbereitschaft der Burgenländerinnen und Burgenländer zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Caritas Waisenhauses in Wetschehaus. Ohne diese Spendengelder und ohne die Mitarbeit der vielen freiwilligen Helfer wäre dieses Projekt auf lange Sicht nicht möglich gewesen", erklärt Edith Pinter.

Dank dieser burgenländischen Hilfe haben auch Andreea, Cosmina und Alina eine zweite Chance bekommen. Weg von der Straße können sie Versäumtes nachholen: die Schule besuchen und gemeinsam mit einer Pädagogin die Hausübungen machen. Sie lernen, wie man einen Tisch deckt, sich gegenseitig hilft und wieder Vertrauen fasst.

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