Dürre im Überfluss

27.07.16 / 13:37

Taye sollte eigentlich in der Schule sitzen und lernen. Stattdessen schwingt er die Peitsche und treibt die Ochsen an, um eine Furche durch die trockene Erde zu ziehen. 

Der Frühlingsregen hat Äthiopiens Erde benetzt. Nach eineinhalb Jahren ohne Regen hat die Erde das Wasser wie ein Schwamm aufgesogen. Tiefe Risse durchziehen noch immer die Felder. Dazwischen trügerisches Grün. Doch der Schein täuscht: 18 Millionen Äthiopier leiden Hunger.

Taye ist 13 Jahre alt und der älteste Sohn von insgesamt sechs Kindern. Drei Felder besitzt die im Süden Addis Abebas lebende Familie. Als ältester hilft er beim Pflügen und Sähen von Mais und Hirse.

Kein Regen – keine Schule
Seit der großen Dürre hat sich sein Leben sehr verändert. Im Vorjahr verdorrte die Ernte, weil es nicht geregnet hatte. Die Vorräte waren bald verbraucht. Für das Vieh hatte man kein Futter mehr. Durch die Dürre sind in Äthiopien rund 850.00 Stück Vieh verendet. Der Vater verkaufte die Ziegenherde rechtzeitig, um mit dem Geld Mehl und andere Lebensmittel für Frau und Kinder zu besorgen. Seit zwei Monaten geht Taye nicht mehr zur Schule. Für Bücher, Schreibhefte und die Schuljause ist kein Geld da.

Das Saatgut hat Tayes Familie von der Caritas bekommen. In der Zwischenzeit haben sich die kleinen Maispflänzchen ihren Weg durch die staubtrockene Erde gebahnt.

Taye sehnt den Regen herbei. Er möchte wieder genug zum Essen haben, wieder die Milch einer Ziege trinken und zur Schule gehen. Auch wenn er die Hausaufgaben gar nicht so sehr vermisst.