Mit Siebzehn hat man noch Träume

09.12.16 / 13:21

Aufstehen, waschen, anziehen. Von klein auf war Bertl allein auf sich selbst gestellt. An den Vater kann er sich nur mehr verschwommen erinnern.

Bertl erinnert sich nicht gerne an seine Kindheit, die keine war. Früher lebte er noch bei seiner Mutter. Bald lernte er die kleinste Veränderung in ihrem Minenspiel zu deuten: Er wusste, wann ein rascher Rückzug notwendig war, weil die manische Fröhlichkeit übergangslos in Wut oder tiefe Niedergeschlagenheit wechseln konnte.

Mit 15 begann er eine Schlosserlehre. Der Chef ist streng und die Regeln klar: Es gibt Lob für gute Arbeit und einen Rüffel für Schlampereien. Er ist glücklich, weil er weiß woran er ist.

Seiner Mutter geht es jetzt wesentlich besser seit sie in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt. Trotz der problematischen Kindheit hängt er sehr an ihr und besucht sie regelmäßig.

Bertl hat ein billiges Zimmer zur Miete gefunden und lebt mehr schlecht als recht von der Lehrlingsentschädigung und den Alimenten seines Vaters. Nach Miete und Strom bleiben ihm noch 241 Euro, um zu überleben.

Mit Freunden ausgehen, das kann er sich kaum leisten. Verliebt war er auch schon einmal, aber sie fand sich bald etwas „Besseres“. Bertl ist sehr sportlich und würde gerne in einen Verein gehen. Aber das kostet und deshalb geht er in den Wald und läuft seiner Einsamkeit davon.

Schutzkleidung ist Vorschrift
Im dritten Lehrjahr ist spezielle Schutzkleidung für Schlosser vorgeschrieben. Allein die Schuhe kosten an die 170 Euro. Bertl findet in seiner Not den Weg zur Caritas. Die Sozialberaterin kann helfen. Nach einem langen Gespräch wird auch noch ein Carla Möbel-Gutschein ausgestellt. Bertl kann sich endlich wieder in ein Bett legen und beim Essen an einen Tisch setzen. Und er kann wieder träumen. Von einer Zukunft in einem kleinen Haus, einem Garten mit seinem Lebensbaum und seiner eigenen Schlosserei.

Menschen wie Bertl brauchen unsere Hilfe. Gemeinsam können wir Menschen in Not im Burgenland helfen. Denn Wir ist größer als Ich und Hoffen ist größer als Verzweifeln.