Leben lernen mit der Diagnose Alzheimer ...

03.10.17 / 12:00

In seiner aktiven Zeit war mein Vater im ganzen Land unterwegs, kannte Gott und die Welt inklusive der gesamten Verwandtschaft und kam mit jedem gut aus.

 

Die Krankheit konnte seinem freundlichen Wesen nichts anhaben und er löste das Problem, in dem er einfach jeden freundlich grüßte und zu plauschen begann – nicht wissend, ob Freund, guter Bekannter oder Fremder. Durch geschicktes Fragen tastete er sich dann an die Identität des Gegenübers heran. In dieser Phase war er sich seiner Krankheit voll bewusst, litt und stemmte sich mit aller Gewalt gegen das Abdriften in eine Welt, in der er dann alleine war und keinen mehr kannte.

 

"Funktionierte" nicht mehr

Er versuchte sein Gedächtnis in Schwung zu halten, löste stundenweise Kreuzworträtsel und Patiencen und je öfter er scheiterte, umso mehr Verzweiflung stand in seinen Augen. Unser Vater, der immer der Fels in der Brandung war, „funktionierte“ nicht mehr: Er vertauschte seinen Mantel im Kaffeehaus, legte die Rechnungen in den Badezimmerschrank und lief stundenweise im Kreis, fuchtelte wild um sich und beschimpfte wüst einen imaginären Tito-Partisanen. Wie sehr mein Vater in der Kriegsgefangenschaft gelitten haben muss, wie tief er diese schrecklichen Erlebnisse den Rest seines Lebens vergraben hatte, wurde uns erst bewusst, als die Alzheimer-Krankheit all das unverarbeitete Leid wieder aus ihm herausspuckte.

 

Professionelle Hilfe

Mein Vater und meine Mutter hatten so viel in ihrem gemeinsamen Leben geschafft. Aus Liebe, Pflichtgefühl, oder dem Wunsch seine Würde zu achten, wurde Vieles nicht offen ausgesprochen. Mit professioneller Hilfe von außen hätten wir die rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten wie Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Testament viel leichter ansprechen und lösen können.

Auch die Abwechslung und Betreuung in einem Tageszentrum hätte ihm gut getan und uns die Möglichkeit zum Durchatmen verschafft. Denn es braucht schon so viel Kraft ein Leben mit diese Krankheit anzunehmen und lernen es zu leben.

 

Hier Teil 1 der Serie nachlesen.

Tipp zum Nachmachen

von DGKP Andrea Gunesch, Hausleitung im Caritas Haus St. Nikolaus in Neusiedl am See

Wem gehört dieser Mantel?

 

Vom letzten Besuch im Café kam man mit einem fremden Mantel nach Hause. Es kostet viel Zeit und detektivische Kleinarbeit, um den wahren Besitzer dann ausfindig zu machen.

 

Hier mein Tipp zum Nachmachen:

 

Kennzeichnen Sie  alle Kleidungsstücke mit einem netten Symbol. Das erspart so manches Telefonat. Helfen Sie dem Patienten bei der Orientierung: Strukturierte Tagesabläufe mit regelmäßigen Fixpunkten, wie einem Spaziergang, einem Besuch im Café oder bei Freunden helfen, soziale Kontakte zu pflegen.

 

Sie haben Fragen zur Pflege im Alter?

Telefon 0676 83 730 730

Email pflege(at)caritas-burgenland.at

Alle Angebote der Caritas Pflege