Mit Siebzehn hat man noch Träume

24.11.17 / 12:50

Not vor unserer Haustüre - 4 Seiten voll mit Armut

Bertl erinnert sich nicht gerne an seine Kindheit, die eigentlich keine war. Damals lebte er noch bei seiner Mutter und lernte schon als kleines Kind in ihrem Gesicht zu lesen. An ihrem Blick und ihrer Mimik erkannte er, wann ein rascher Rückzug notwendig war, weil die manische Fröhlichkeit übergangslos in Wut oder tiefe Niedergeschlagenheit wechseln konnte. Seinen Vater lernte er nie persönlich kennen.

 

Mit 15 beginnt er eine Schlosserlehre.

Der Chef ist streng und die Regeln klar: Es gibt Lob für gute Arbeit und einen Rüffel für Schlampereien. Er ist glücklich, weil er weiß, woran er ist.

Seiner Mutter geht es jetzt wesentlich besser. Sie lebt seit ein paar Jahren in einer betreuten Wohngemeinschaft. Trotz seiner problematischen Kindheit hängt er sehr an ihr und besucht sie regelmäßig.

Bertl wiederum hat ein billiges Zimmer zur Miete gefunden und lebt mehr schlecht als recht von der Lehrlingsentschädigung und den Alimenten seines Vaters. Nach Miete und Strom bleiben ihm noch 241 Euro, um zu überleben.

Mit Freunden ausgehen kann er sich kaum leisten.

Verliebt war er auch schon einmal, aber sie fand sich bald etwas „Besseres“.

Bertl ist sportlich und würde gerne in einen Verein gehen. Aber das kostet und deshalb geht er in den Wald und läuft seiner Einsamkeit davon.

Schutzkleidung ist Vorschrift

Im dritten Lehrjahr ist spezielle Schutzkleidung für Schlosser vorgeschrieben. Allein die Schuhe kosten an die 170 Euro. Bertl findet in seiner Not den Weg zur Caritas. Die Sozialberaterin kann helfen. Nach einem Beratungsgespräch wird auch noch ein Carla Möbel-Gutschein ausgestellt. Bertl kann sich endlich wieder in ein Bett legen und beim Essen an einen Tisch setzen. Und er kann wieder träumen. Von einer Zukunft in einem kleinen Haus, einem Garten mit seinem Lebensbaum und seiner eigenen Schlosserei.

Kinder wie Bertl brauchen unsere Hilfe.

13.000 Kinder im Burgenland haben unsere Hilfe genauso verdient, wie Bertl.

 

Nächste Woche schlagen wir eine neue Seite der Armut auf. 

2. Seite der Armut