Der schmerzvolle Weg in die Obdachlosigkeit

21.12.18 / 09:15

Jugendlicher sitzt verzweifelt auf einer Stiege vor einer Haustür

Simon "trieb durchs Leben" und war der Jüngste in der Caritas-Notschlafstelle in Oberwart.

Mit seinen 20 Jahren, dem netten Lächeln und seinen dunklen Augen flogen ihm die Herzen zu. "Simon war wie ein kleiner, süßer Hund, freundlich zu jedermann und mit seinem Charme erreichte er oft mehr als andere mit harter Arbeit. Auf Dauer ist das natürlich kein Erfolgsrezept fürs Leben", schildert seine Betreuerin.

Strandgut
Wenn andere Kinder in eine Familie hineingeboren werden, erfahren sie Liebe, Geborgenheit und Vertrauen. Seine Mutter war aber drogenabhängig und weder körperlich noch psychisch in der Lage, Verantwortung für sich und ihr Baby zu übernehmen. Eine Reihe von Pflegefamilien folgte, aber nirgends fand er einen dauerhaften und geschützten Platz, um Wurzeln schlagen zu können.

Die Berufsschule schmiss er ebenso wie die Lehre in einer Gärtnerei. Auf der Suche nach seiner Mutter hält es ihn weder an einem Ort noch an einer Arbeitsstelle. Er treibt dahin. Von einem Gelegenheitsjob zum nächsten. Das Unstete ist seine Lebens-Konstante.

Lächeln allein genügt nicht
Behörden sind nur sehr bedingt für seinen Charme empfänglich, wenn es um versäumte Fristen geht. Dass Nachlässigkeit zu harten Konsequenzen führt, muss er auf die harte Tour lernen. Und die führt ihn sogar in die Obdachlosigkeit. Eine Caritas-Mitarbeiterin liest ihn auf der Straße auf und bringt ihn in die Notschlafstelle.

Quo vadis, Simon?
Als Obdachloser ist man ein Mensch zweiter Klasse. Ohne Adresse kann man nicht mehr wählen gehen, verliert auch jedes Recht auf eine Mindestsicherung und steht ohne Krankenversicherung im wahrsten Sinne des Wortes in der Kälte. In der Caritas- Notschlafstelle hat er zumindest wieder ein Dach über dem Kopf und damit auch einen ordentlichen Wohnsitz.

Der Weg zurück in die Normalität ist nicht einfach. Auch nicht für Simon. "Damit es auch ihm gelingt, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen, benötigt er sowohl finanzielle als auch persönliche Unterstützung und Betreuung. Die können wir ihm geben", ist die Caritas-Sozialarbeiterin überzeugt.

 

Heizen oder Geschenke?

Zu Weihnachten ist es für Menschen, die ohnehin jeden Cent zwei Mal umdrehen müssen, noch schwieriger. Selbst kleine Geschenke für die Kinder sind für manche Eltern nicht möglich. Denn für sie stellt
sich nur die Frage: "Gebe ich das Geld fürs Heizen oder die Miete aus?"

Wenn Sie helfen möchten:

Mit 100 Euro kann ein obdachloser Mensch eine Woche in einer Notunterkunft untergebracht werden, mit Duschmöglichkeit und warmen Essen.

Mit 30 Euro bleibt eine Wohnung in der Weihnachtszeit warm!