Angst vor dem nächsten Service

24.08.20 / 16:50

Mindestpensionistin mit Schild auf dem steht: "Kann ich mir nicht leisten"

Gerti wohnt abgeschieden in einem alten, kleinen Haus. Corona hat sie noch einsamer gemacht.

Auf dem Küchentisch liegen 50 Euro. Mit dem Kaffeehäferl in der Hand schleicht Gerti rund um den Tisch, fixiert den Schein und überlegt: „12 Tage bis zum Monatsende. Das sind etwa vier Euro pro Tag. Im Keller hab´ ich noch Kartoffeln und Karotten. Die Feigen sind reif. Das muss sich ausgehen. Aber passieren darf jetzt nix mehr!“

Neun Euro pro Tag bleiben der Mindestpensionistin nach Abzug der Fixkosten. Ein verstopftes Klo hat gereicht, um Gertis Finanzplan auf den Kopf zu stellen. Der Installateur hat ihr einen Sonderpreis gemacht, aber allein diese Extraausgabe von 77 Euro muss sie sich nun buchstäblich vom Mund absparen.

Gerti klagt nicht. Wem auch? Sie lebt alleine. Ins Dorf ist es sehr weit und jeder Kilometer mit dem Auto muss wegen der Benzinkosten gut überlegt sein. Die Corona-Krise hat sie noch einsamer gemacht. „Manchmal träume ich schlecht: dass mein Auto kaputt geht oder der Fernseher endgültig den Geist aufgibt.“, erzählt sie der Caritas Sozialberaterin am Telefon.

Ein Grummeln im Getriebe
Auf dem Kalender ist ein Termin im September dick und fett eingetragen: Autoservice! Wieder eine Hürde, die Gerti nur mit viel Mühe und mit großem Bauchweh schafft. Seit ein paar Wochen grummelt es verdächtig im Getriebe. Eine Reparatur, die sie sich nicht leisten kann und sie wohl endgültig ins soziale Out kicken würde.

Gerti ist eine Frohnatur. Sie versucht das beste aus der Situation zu machen. Alle 14 Tage fährt sie zum Discounter und freut sich, wenn sie dort auf dem Parkplatz oder zwischen den Regalen alte Bekannte trifft, um mit ihnen zu plaudern. Früher hat man sich einmal in der Woche im Café getroffen. Sogar eine Esterházy-Schnitte hat sie damals zur Melange bestellt. Heute kann sie davon nur träumen und steuert mit Tempo zum Gemüse, wo sie eine alte Schulfreundin entdeckt hat.

Burgen-Land wird Teil-Land
Armut macht auch einsam. Schenken Sie Menschen wie Gerti ein paar glückliche Momente. Ein Besuch im Kaffeehaus ist für die meisten nur eine Kleinigkeit, für andere ein Lichtblick, der das Leben wieder lebenswert macht.

Schenken Sie einen Lichtblick

Armut macht auch einsam, weil selbst ein „Gemma auf an Café“ zum Luxus wird. Deshalb bittet Caritas um Lichtblick-Spenden für Burgenländer in Not.