Armut im Burgenland wächst: 1.000 Einkaufswagerl gegen akute Not

29.10.20 / 10:06

Caritas Direktorin Edith Pinter und Uli Kempf, Pressesprecherin, rufen zu Spenden für Familien in Not im Burgenland auf

„Unsere Sozialberaterinnen schauen mit Sorge in die nächste Zukunft: die gestundeten Mieten werden fällig, Kreditraten müssen auch bei Arbeitslosigkeit bezahlt werden und die Heizsaison ist angelaufen!“, so warnt Caritas Direktorin Edith Pinter vor einer sozial kalten Adventzeit im Land. Denn die Anzahl der BurgenländerInnen, die vor einem leeren Kühlschrank stehen, steigt.

„Wir sind bereit, sollte es notgedrungen zu einem Lockdown kommen,“ erklärt die Caritas Direktorin. „Unsere Sozialberatungen sind dann telefonisch und auch online für BurgenländerInnen in Not erreichbar!“ Dabei müsse aktuell der Fokus auf Soforthilfe durch Lebensmittelgutscheine und Delogierungsprävention gelegt werden. Für die Caritas werde es keine stille Zeit geben, prognostiziert Pinter.

„Mama und Papa sind jetzt die ganze Zeit zu Hause“, erzählt Lukas. Irgendwie hat er sich das viel schöner vorgestellt. Die Stimmung ist gedrückt.

Lukas‘ Eltern waren selbständig und organisierten Veranstaltungen für Kinder. Seit dem Lockdown sind sie arbeitslos. Zuerst machten sie sich gegenseitig Mut. Doch die Realität holte sie ein: keine Kunden, keine Events, kein Einkommen. Von heute auf morgen. Bereits im Sommer konnten sie die Miete nicht mehr bezahlen. Das Geld reichte am Ende des Monats kaum aus, um ein Einkaufswagerl mit den nötigen Lebensmitteln zu füllen.

„Armut im Burgenland hat neue, traurigen Facetten bekommen. Corona reißt bereits Familien aus der Mittelschicht in existenzielle Not. Das Modell, von einem Gehalt wird gelebt und mit dem zweiten wird der Wohnkredit abbezahlt funktioniert durch die steigende Arbeitslosigkeit nicht mehr. „Zu uns kommen junge Familien, die Angst haben, heuer nicht vor einem Weihnachtsbaum, sondern auf der Straße zu stehen!“, schildert die Caritas Direktorin.

Corona macht nicht nur krank

Seit Beginn der Krise ist die Arbeitslosigkeit im Burgenland um 49 Prozent gestiegen. Das trifft sozial benachteiligte Gruppen besonders hart.

Vor allem Menschen, die auch während der guten Wirtschaftslagen armutsgefährdet waren, haben es jetzt doppelt schwer, einen Job zu finden. Dazu gehören Jugendliche und GeringverdienerInnen, vor allem Frauen. Denn sie sind oft in Berufen tätig, die von der Krise stark betroffen sind und nicht einfach ins Home-Office verlagert werden können: zum Beispiel im Tourismus, in der Gastronomie, im Handel oder in Dienstleitungsbetrieben wie Frisier- oder Fußpflegesalons. Auch für ältere Personen (50 +) wird die Arbeitssuche nun noch herausfordernder als sonst.

„Manche sitzen in unserer Sozialberatung, verzweifeln und wollen aufgeben. Andere sind wie vom Blitzschlag getroffen und verharren in Schockstarre. Die meisten haben den festen Willen, einen Weg aus dieser Armutsfalle für sich und ihre Familie zu finden. Aber alleine schaffen sie es nicht!“, erklärt Pinter. Seit Beginn des Lockdowns Anfang März bis Ende September haben sich die Ausgaben für die Lebensmittelgutscheine bei der Caritas mehr als verdoppelt. Die Ausgaben bei den Windelgutscheinen haben sich dabei sogar vervierfacht!

Not sehen und helfen - so gut und so lange es geht

Die Caritas sieht extrem herausfordernden Zeiten entgegen: Mehr Menschen brauchen Soforthilfe auf Grund akuter Not, die Einrichtungen für Menschen ohne Zuhause sind schon jetzt voll ausgelastet, bewährte Hilfsprojekte wie die Lerncafés für sozial benachteiligte Kinder, müssen nicht nur aufrecht erhalten, sondern weiter ausgebaut werden und auch das Kältetelefon muss ab 1. November wieder in Betrieb gehen. Andererseits spürt jeder dritte Burgenländer, dass er durch die Corona-Krise weniger Geld zur Verfügung hat. „So manche unserer SpenderInnen haben einfach weniger Ressourcen, um uns zu unterstützen!“, fürchtet die Caritas Direktorin. „Aber auch wir können nur helfen, wenn sich die Menschen in unserem Land solidarisch zeigen. Zusammenhalt ist jetzt wichtiger denn je. Aus der Corona-Krise darf keine soziale Krise werden.“

Soziale Feuerwehr

Die gestundeten Mieten werden jetzt fällig und der von der Regierung zu Beginn der Krise verordnete Delogierungsstopp ist ausgelaufen. Das macht sich auch bei der Caritas deutlich bemerkbar: Erst kürzlich konnte die Caritas im letzten Augenblick die Delogierungen von drei Familien verhindern. Nur zum Teil kann die Hilfsorganisation das Los der Obdachlosigkeit durch ihre Einrichtungen wie der Notschlafstelle, dem ZufluchtsRaum und dem Mutter+Kind=Haus verhindern.

Hilfe in Corona-Zeiten

Die Hotline der Sozialberatung steht Menschen, die von heute auf morgen in Not geraten sind montags bis freitags von 9.00 bis 12.00 Uhr zur Verfügung. Dort wird unter anderem mit Lebensmittelgutscheinen geholfen, gemeinsam werden Finanzpläne erstellt, Ansprüche auf Beihilfen und Förderungen abgeklärt. Die Gutscheine entlasten die Geldbörse und sind mit der begleitenden Beratung eine große Hilfe für Familien.

 

Caritas bittet um Spenden für volle Einkaufswagerl

Zum Start der heurigen Sammlung für BurgenländerInnnen in Not hat sich die Caritas das Ziel gesetzt mit Hilfe von Spenden 1.000 Einkaufswagerln mit Lebensmitteln für BurgenländerInnen in Not zu füllen! Mit einer Spende von 40 Euro kann die Versorgung einer Familie für eine Woche gesichert werden.

So können Sie helfen

  • Mit 30 Euro erhalten Menschen in Notsituationen Heizkostenzuschüsse, eine Energieberatung oder die Reparaturkosten für eine defekte Heizung.
  • Mit 33 Euro ermöglichen Sie einer Mutter und ihren Kindern eine Nacht im Mutter-Kind-Haus.
  • Mit 40 Euro schenken Sie einer armutsbetroffenen Familie einen vollen Einkaufswagen.
  • Mit 50 Euro unterstützen Sie Menschen, die jetzt um ihre Existenz fürchten, um in den nächsten Monaten über die Runden zu kommen.

Danke! Ihre Hilfe kommt an.